NEUES AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
13.11.2009
Fremdsprachen fördern Lern- und Entscheidungsfähigkeit
(Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz)
Wer sich eine Fremdsprache aneignet, kann nicht nur sein Sprachverständnis und seine Kommunikationsfähigkeit verbessern. Vielmehr erhöht das Erlernen einer neuen Sprache auch die generelle Lernfähigkeit und fördert wesentliche kognitive Gehirnfunktionen. Darauf weist Dr. Curt Beil vom Berufverband Deutscher Neurologen (BDN) unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen, internationalen Studie hin. „Fremdsprachenlernen erleichtert es offenbar, sich auch in andere Wissensgebiete einzuarbeiten - das hat die Auswertung von über 1.400 weltweiten Untersuchungen zum Thema Mehrsprachigkeit im Auftrag der Europäischen Kommission ergeben“, berichtet der Neurologe. „Auch die Schnelligkeit bei der Entscheidungsfindung, die geistige Flexibilität und die zwischenmenschliche Kompetenz werden durch Mehrsprachigkeit gesteigert. Beim Denken, Lernen und Entscheiden wird der so genannte Arbeitsspeicher im Kurzzeitgedächtnis stärker beansprucht, was sich auch auf andere kognitive Fähigkeiten vorteilhaft auszuwirken scheint. So sind Mehrsprachige den Monolingualen darin überlegen, wie sie an komplexe Problemstellungen herangehen und diese lösen. Zum Beispiel sind sie insbesondere beim Aussortieren irrelevanter Informationen und beim Treffen von Entscheidungen schneller und es gelingt ihnen besser, über längere Zeit intensiv über ein Problem nachzudenken. Außerdem scheinen Menschen, die gelernt haben, mehrere Sprachen zu sprechen, im Alter besser vor geistigem Verfall geschützt zu sein.“
Kreativerer Einsatz der eigenen Gehirnkapazitäten
Bislang sind Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich kognitive Vorteile durch Mehrsprachigkeit erst dann ergeben, wenn gleich zwei oder drei Fremdsprachen auf hohem Niveau beherrscht werden. „Die aktuelle Studie zeigt aber auf, dass es auch schon beim Erlernen einer einzigen fremden Sprache zu einer deutlichen Veränderung der elektrischen Aktivität in bestimmten Hirnregionen kommt, die zu einem kreativeren Einsatz der eigenen Gehirnkapazitäten befähigt“, betont Beil. „Diese Vorteile könnten und sollten viele Menschen dazu inspirieren und motivieren, eine Fremdsprache, die sie zum Beispiel vor langer Zeit in der Schule erlernt aber größtenteils vergessen haben, wieder aufzufrischen und aktiv einzusetzen.“
11.11.2009
Stärkung des Selbstwertgefühls verringert riskanten Alkoholkonsum bei Jugendlichen
(Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz)
Riskanter Konsum von Alkohol bei Jugendlichen wird in hohem Maß durch das Nachahmen des Verhaltens Gleichaltriger und den Wunsch der Jugendlichen nach Zugehörigkeit und Anerkennung gefördert. „Indem Jugendliche in ihrer Familie jedoch Respekt und Aufmerksamkeit erfahren und dabei ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, fällt es ihnen leichter, dem Gruppenzwang zu widerstehen und nicht mitzumachen, wenn sich Altersgenossen exzessiv betrinken“, rät Dr. Maik Herberhold, Vorsitzender des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Bochum. „Die Förderung der Eigeninitiative und Eigenverantwortung zum Beispiel durch Übertragen wichtiger Aufgaben in der Familie erleichtert einem Jugendlichen, eigene Erfahrungen auch in Bezug auf Alkohol zu sammeln und sich ein Urteil zu bilden. Handelt ein Jugendlicher mit Zustimmung der Eltern, bestehen zudem viel bessere Chancen, dass er mit den Eltern über seine Erfahrungen spricht.“
Riskantes Trinkverhalten ist kein Merkmal der Jugend. In unserem Kulturraum besitzt der Konsum von Alkohol eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und wird meist mit Spaß und guter Laune gleichgesetzt. Jemand, der bei einer Feier keinen Alkohol trinkt, fällt oftmals mehr auf, als jemand, der zu viel getrunken hat. „In Bezug auf den Umgang mit Alkohol haben insbesondere die Eltern eine wichtige Vorbildfunktion. Wenn Alkohol von ihnen als Methode zur Entspannung und zur Lösung von Konflikten eingesetzt wird, neigen Jugendliche dazu, dieses Verhalten zu übernehmen. Stattdessen ist es wichtig, dass Kinder von den Eltern lernen, Konflikte konstruktiv auszutragen und Probleme offen anzusprechen“, empfiehlt Dr. Herberhold. „Ebenso sollten Jugendliche frühzeitig Möglichkeiten kennen lernen, wie sie mit der Familie oder Freunden Spaß haben können, wie zum Beispiel durch sportliche Aktivität, gemeinsame Unternehmungen oder Spielen eines Musikinstruments.“
In der Phase der Löslösung von den Eltern, benötigen Jugendliche zum einen das Gefühl, eine Basisstation zu haben, zu der sie mit all ihren neuen Erfahrungen jederzeit zurückkehren können und andererseits klare Grenzen. „Eltern sollten für Jugendliche ab einem bestimmten Alter kein generelles Alkoholverbot aussprechen, da dies den Reiz des Verbotenen erhöht. Allerdings sollten Eltern klare Ausgehregeln mit den Jugendlichen vereinbaren und bei einer Missachtung Konsequenzen ziehen“, rät Dr. Herberhold. Um das Umfeld der Jugendlichen einschätzen zu können, ist es hilfreich, dass Eltern Freunde ihrer Kinder oder auch, wenn möglich, deren Eltern kennen lernen. „So sollten sich Eltern beispielsweise nicht scheuen, sich mit Freunden, die ihre Kinder abholen, zu unterhalten, auch wenn das den Kindern vielleicht etwas peinlich ist.“
Entdecken Eltern bei Jugendlichen Hinweise auf übermäßigen Alkoholkonsum, so ist es wichtig zu handeln, jedoch nicht zu überreagieren. „Wenn zum Beispiel der Sohn oder die Tochter angetrunken nach Hause kommt, sollte man mit einem Gespräch bis zum nächsten Tag warten. Dann sollte geklärt werden, was und wie viel getrunken wurde, wie es dazu kam und ob dies das erste Mal war oder regelmäßig geschieht“, erklärt Dr. Herberhold. „Die Eltern sollten dem Jugendlichen deutlich klar machen, dass sie den Alkoholkonsum nicht gutheißen. Es sollten Regeln und deren Kontrolle für das nächste Mal vereinbart werden. Wichtig ist dabei, dass deutlich wird, dass die Eltern ihrem Kind vertrauen und kein Partyverbot aussprechen wollen. Am wichtigsten ist es, mit dem Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.“
In Deutschland sind ca. 160 000 Kinder und Jugendliche von Alkoholmissbrauch und abhängigkeit betroffen. Die Hälfte aller Jugendlichen praktiziert mindestens einmal im Monat Binge-Drinking, nimmt also in kürzester Zeit sehr große Mengen Alkohol auf.
Ein neuer Ratgeber informiert zu den Hintergründen von exzessivem Alkoholkonsum bei jungen Menschen und hilft Eltern, Anzeichen für problematisches Trinkverhalten zu erkennen. Experten erklären zudem wie Eltern, Lehrer und Jugendbetreuer ihre Schützlinge auf das Thema Alkohol ansprechen können – ohne Vorwürfe oder Peinlichkeiten – und zeigen Wege aus der Alkoholfalle.
Ratgeber: Was tun, wenn Jugendliche trinken?
04.11.2009
Wie macht Schulstress Lehrer krank? Jacobs University sucht Probanden für neue Studie
Dr. Kristin Beck, Corporate Communications & Media Relations
Jacobs University Bremen
Gesundheitspsychologen der Jacobs University untersuchen die psychischen und physischen Auswirkungen von chronischem Stress bei Lehrern. Für diese Studie werden ab sofort Lehrer und Referendare als Probanden. Alle Studienteilnehmer erhalten neben einer Aufwandsentschädigung auch Informationen über ihre eigene Stressreaktion.
In Deutschland entscheiden sich zunehmend weniger Menschen für den Lehrerberuf, weshalb viele Schulen bereits jetzt über Nachwuchssorgen klagen. Denn obwohl sich hartnäckig das Vorurteil vom entspannten und gut bezahlten Halbtagsjob hält, ergeben wissenschaftliche Studien ein ganz anderes Bild: Vor allem die psychischen Belastungen der Pädagogen sind überdurchschnittlich hoch. Lehrer leiden im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich häufiger an Erschöpfungszuständen, Burnout und anderen Stresskrankheiten. Ärger mit Schülern und Eltern, Zeitdruck, der hohe Lärmpegel im Klassenzimmer und die zunehmende Notwendigkeit, nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Ersatz-Erzieher und Sozialpädagoge zu sein - all das müssen Lehrer täglich verkraften.
Normalerweise entwickeln Menschen Fähigkeiten und Strategien, um konstruktiv mit Stress umzugehen. Nimmt der Stress jedoch überhand und wird chronisch, können sich allmählich Veränderungen im Körper einstellen. Die ursprünglich gesunde Stressregulation wird gestört und Stresshormone geraten aus dem Gleichgewicht. Frühere Studien von Forschern der Jacobs University um Prof. Brigitte Kudielka zeigten, dass langfristiger Dauerstress über diese psycho-biologischen Mechanismen vermehrt zu Erkrankung bei Lehrern führen kann.
In ihrer neuen Studie wollen die Jacobs-Psychologen nun mit einem Standard-Stimulationstest systematisch die Regulation der Stresshormone bei berufstätigen Lehrern untersuchen. Parallel dazu sollen in einer weiteren Studie das Stresserleben und die Stressreaktionen von Referendaren, die neu in den Lehrerberuf einsteigen, untersucht werden. Zusammen sollen die Ergebnisse beider Studien weiteren Aufschluss über die psycho-biologischen Effekte von chronischem Schulstress geben.
Für die Studie werden ab sofort sowohl Lehrer als auch Rerendare mit hoher Belastung, aber auch völlig unbelastete oder nur leicht gestresste Probanden aus beiden Gruppen gesucht.
Die Lehrer werden gebeten, an zwei jeweils dreistündigen Terminen im Klinikum Bremen Nord an physiologischen Untersuchungen teilzunehmen. Sie erhalten als Ergebnis eine Rückmeldung zu ihrer eigenen Stressreaktion sowie 12 Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung.
Die Referendare werden gebeten, sowohl an einem regulären Schultag als auch an einem Arbeitstag mit einer besonderen Prüfungssituation (Lehrprobe, Unterrichtsbesuch etc.) mehrmals im Tagesverlauf eigene Speichelproben sammeln, in denen die Menge von Stresshormonen bestimmt werden soll. An der Jacobs University folgt dann an einem gesonderten Termin ein Stress-Test von ca. 2,5 Stunden im Labor. Der Aufwand der Referendare wird mit 50 Euro vergütet. Natürlich erhalten auch sie eine Rückmeldung über die eigenen Stresswerte.
Für Fragen zur Teilname und Terminabsprachen wenden Sie sich bitte an:
Jacobs University Bremen | Maren Wolfram
Tel.: 0421-200 4721 | m.wolfram@jacobs-university.de
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news342370
04.11.2009
Jugendsprache besser verstehen - Sprachwissenschaftler der Freien Universität eröffnen Internetportal
Carsten Wette, Kommunikations- und Informationsstelle
Freie Universität Berlin
Mithilfe eines von Wissenschaftlern der Freien Universität betriebenen Internetportals zu Jugendsprache können Schüler von nun an ihre eigene Ausdrucksweise untersuchen. Die Forscher haben dafür die Seite www.alltagstauglich.jugendsprache-berlin.de mit einem Comic und einem Tutorium entwickelt. Ziel ist es, Jugendliche ab zwölf Jahren zu eigenständigen Sprachuntersuchungen zu ermuntern und zu befähigen. Außerdem bietet die Seite Lehrmaterial, das im Deutschunterricht von der 7. Klasse an verwendet werden kann.
Begrüßt werden die Jugendlichen in dem Portal von einem Außerirdischen namens Jettich. Er will die Sprache der Erdbewohner untersuchen und stellt fest, dass er die Jugendsprache nicht versteht; die Schüler sollen ihm dabei helfen.
Die Regeln der Sprachforschung lernen Schüler in einem Online-Kurs. Dort führt sie ein Internet-Professor mit Hörbeispielen und Wissenstests in die Grundlagen ein. Anschließend sollen Jugendliche selbst Sprachuntersuchungen anstellen. Auf der Internetseite finden sie eine Anleitung zum Bau kleiner Mikrofone, um Sprachdaten aufzunehmen und auszuwerten. Wenn die Schüler auf der Seite die Funktion "Spacebar" anklicken, können sie mit Sprachwissenschaftlern über Fragen oder Themen des Tutoriums diskutieren.
Das Projekt "Jugendsprache Alltagstauglich?" ist Preisträger des Hochschulwettbewerbs des Bundesforschungsministeriums "Forschungsexpedition Deutschland im Wissenschaftsjahr 2009".
Weitere Informationen erhalten Sie gern von:
Victoria Viererbe, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-54406, E-Mail: v.viererbe@jugendsprache-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.alltagstauglich.jugendsprache-berlin.de/
15.10.2009
Fit durch Wii und Co? Sportmediziner untersuchen den Trainingsreiz interaktiver Videospielkonsolen
Dr. Christina Heimken, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Münster (mfm/tb) - Action, Bewegung, Fitness, gesünderer Lebensstil - auf den Internetseiten der Hersteller von Videospielkonsolen wimmelt es von solchen Begriffen. Selbst eine Software zum Kalorienzählen fehlt nicht im Angebot. Diese Werbung suggeriert: Mit interaktiven Videospielkonsolen lässt sich körperliche Fitness auch vor dem heimischen Bildschirm erreichen. Der münstersche Sportmediziner Prof. Klaus Völker dämpft diese Erwartung jedoch: Ein Forscherteam unter seiner Leitung hat die Effektivität des Trainingsreizes der Konsolen anhand des Marktführers untersucht. Völkers Fazit: "Virtueller Sport ist allenfalls Bewegung und kann echten auf keinen Fall ersetzen".
Über 40 Sportstudenten - je zur Hälfte Männer und Frauen - nahmen an der Studie des von Völker geführten Instituts für Sportmedizin der Universität Münster teil. Die Anforderungen an die zwischen 21 und 29 Jahren alten Probanden: Die Teilnehmer mussten gesund und an den Videospielkonsolen Neulinge sein. Die Studierenden traten in drei Disziplinen gegen ihre Spielpartner an: im Boxen, im Tennis sowie im Vierkampf, einer Mischung aus drei Laufdistanzen und einer Schwimmstrecke. Zwischen den jeweils eine Viertelstunde dauernden Spielblöcken gab es 20-minütige Pausen, damit die Belastung der Probanden wieder auf das Normalniveau sinken konnte.
Während der Querschnittsuntersuchung beobachteten Völker und sein fünfköpfiges Team, wie sich die Werte bei verschiedenen Indikatoren für eine körperliche Belastung veränderten. Gemessen wurden beispielsweise die Herzfrequenz und der Laktatwert der Probanden. Zudem wurden diese um eine Selbsteinschätzung ihrer Anstrengung nach einem internationalen Standard, der Borg-Skala, gebeten. Die so gewonnenen Angaben wurden anschließend mit Durchschnittswerten verglichen, die aus der Forschung für die realen Sportarten bekannt sind.
Einhelliges Ergebnis für alle drei getesteten Disziplinen: Die Computerspiele kamen bei weitem nicht an das Belastungsniveau und damit den Trainingseffekt ihrer Vorbilder heran. Lediglich das Boxen führte zu einer trainingsphysiologisch relevanten, allerdings nur moderaten Belastung. Zu den Messwerten passt die Selbsteinschätzung der Teilnehmer: Diese beurteilten selbst die körperlich anspruchvollste Sportart, das Boxen, auf der Borg-Skala im Schnitt nur als "etwas anstrengend". Dass sich die Probanden nicht verausgaben mussten, hängt auch mit der Dauer der reinen Bewegungszeit zusammen: Selbst bei der hier führenden Disziplin, dem Boxen, entfielen darauf im Mittel nur knapp 9 von 15 gespielten Minuten. Beim Vierkampf wurden im Schnitt sogar nur 4 Minuten und 49 Sekunden mit dem eigentlichen Spielen verbracht.
Auch aus zwei weiteren Gründen eignen sich die Videospielkonsolen laut Völker nicht als Sportersatz. Die Nutzer merkten schnell, dass die Sensoren an den Steuergeräten der Konsolen, den so genannten Controllern, bereits bei geringen Bewegungen ansprechen. Daher neigten die Spieler mit der Zeit dazu, ihre Bewegungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Ökonomisierungseffekt nennt Völker diese Erscheinung, die zwar nicht Gegenstand der Untersuchung, aber "als Trend klar erkennbar" gewesen sei. Zum zweiten habe die Studie deutlich vor Augen geführt, dass Konsolen-Fans "nicht miteinander, sondern nebeneinander spielen". Die Kommunikation als ein wichtiger, auch motivierender Faktor bei vielen Sportarten werde durch die einseitige Ausrichtung der Spieler auf den Bildschirm beeinträchtigt.
Für Völker steht daher fest: Interaktive Videospiele können ihren Besitzern zu mehr Bewegung verhelfen, aber fehlende echte sportliche Bewegung nicht ausgleichen. "Besser das ganze Erlebnis 'Sport draußen', als die virtuelle Sparversion im Wohnzimmer", so seine Empfehlung.
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de/campus-news.html?&newsid=285&cHash=faee2c0... weitere Informationen
13.10.2009 08:53
Wie Gefühle unser Gedächtnis steuern
MA Reto Caluori, Öffentlichkeitsarbeit
Universität Basel
Emotionale Erlebnisse bleiben erfahrungsgemäss besonders stark im Gedächtnis haften, jedoch nicht bei allen Menschen gleich stark. Wissenschaftler der Universität Basel haben für dieses Phänomen einen molekularen Mechanismus beschrieben. Die Forschungsresultate erscheinen diese Woche in der Online-Ausgabe der US-Fachzeitschrift PNAS.
An die Hochzeit, einen schönen Urlaub, aber auch an einen Unfall können wir uns oft noch Jahre später sehr gut erinnern. Hingegen werden alltägliche, gefühlsneutrale Geschehnisse nur oberflächlich abgespeichert und schneller vergessen. Dieser gedächtnisfördernde Effekt von Emotionen ist biologisch sinnvoll. So brennen sich erlebte Gefahrensituationen tief in unser Gedächtnis ein und können dadurch eher vermieden werden. Dieser Effekt von Gefühlen auf das Gedächtnis ist aber nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt.
Die Professoren Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel hatten entdeckt, dass eine genetisch verankerte Variante eines bestimmten Rezeptors (alpha-2B-adrenerger Rezeptor), der als Andockstelle für den Botenstoff Noradrenalin dient, dazu beiträgt, dass man sich besonders stark an emotionale Information erinnert.
Die Forscher fanden zudem heraus, dass dieselbe Rezeptorvariante auch für die Stärke von quälenden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bei der posttraumatischen Belastungsstörung mitverantwortlich ist. Allerdings blieb bisher unklar, wie diese genetische Variante zu einem besseren emotionalen Gedächtnis führt.
Erhöhte Aktivität des Mandelkerns
In der aktuellen Untersuchung studierten die Wissenschaftler den zugrunde liegenden Mechanismus. Dr. Björn Rasch, der Erstautor der Studie, untersuchte dazu die Hirnaktivität von gesunden Versuchteilnehmern, während diese sich emotionale Bilder anschauten. Die Rezeptorvariante, die mit einem gesteigerten emotionalen Gedächtnis einherging, führte zu einer erhöhten Aktivität des Mandelkerns (Amygdala), einer Hirnstruktur, die wichtig ist für die Verarbeitung und Abspeicherung emotionaler Information.
Dieser genetisch verankerte Mechanismus führt also über eine erhöhte Aktivität im Mandelkern dazu, dass man sich beispielsweise besonders gut an erlebte Gefahrensituationen erinnert und sie dadurch künftig besser vermeiden kann. Der Preis, den man für diesen positiven Effekt zu bezahlen hat, könnte allerdings sein, dass sich auch schlimme traumatische Erlebnisse tiefer ins Gedächtnis eingraben und so in Form quälender Erinnerungen weiter existieren. Die aktuelle Studie fand im Rahmen eines von de Quervain und Papassotiropoulos geleiteten Projekts statt.
Neurobiologische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses
Das Projekt "Neurobiologische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses" wird von den Professoren Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain von der Universität Basel geleitet und vom Schweizerischen Nationalfonds, der European Science Foundation und mehreren universitären und privaten Stiftungen gefördert. Zu den Zielen des Projektes gehören die Identifizierung von neurobiologischen und molekularen Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses und die gezielte Entwicklung neuer Therapiestrategien zur Behandlung von Gedächtnisstörungen. Das Projekt umfasst mehrere Tausend Versuchsteilnehmer und Patienten aus Europa, den USA und Afrika. Bisherige Studien wurden unter anderem in den Wissenschaftszeitschriften Nature Neuroscience (2003, 2007), PNAS (2006, 2009) und Science (2006) publiziert.
Originalbeitrag
B. Rasch, K. Spalek, S. Buholzer, R. Luechinger, P. Boesiger, A. Papassotiropoulos, and D. de Quervain
A genetic variation of the noradrenergic system is related to differential amygdala activation during encoding of emotional memories
PNAS Early Edition | DOI: 10.1073/pnas.0907425106
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Dominique de Quervain, Direktor Division Kognitive Neurowissenschaften der Universität Basel, Tel. +41 61 267 02 37, E-Mail: dominique.dequervain@unibas.ch
Weitere Informationen:
http://www.brainscience.ch/unibas-dcn.html - Division Kognitive Neurowissenschaften der Universität Basel
06.10.2009
Erziehungshilfe: Neue Beratungsstelle für Schulen
Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Wenn Lehrer oder Schulen nicht mehr wissen, wie sie mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern umgehen sollen, finden sie ab sofort Hilfe an der Uni Würzburg. Dort hat Anfang Oktober die Sonderpädagogische Beratungsstelle für Erziehungshilfe die Arbeit aufgenommen.
Verhaltensauffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen sind weit verbreitet. Nicht nur Aggressivität, Gewalt und die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) spielen dabei eine Rolle. Auch Ängstlichkeit, soziale Unsicherheit, Drogen, Essstörungen oder "Null Bock auf die Schule" sind Probleme, mit denen Lehrerinnen und Lehrer häufig konfrontiert werden.
Unterstützung finden sie jetzt bei der Sonderpädagogischen Beratungsstelle für Erziehungshilfe am Lehrstuhl für Sonderpädagogik V der Universität Würzburg. Diese bietet Schulen Beratung für den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören:
- individuelle Beratung für Lehrkräfte an Regel- und Förderschulen sowie Förderzentren
- Unterstützung und Begleitung von Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozessen
- Fortbildungsangebote für angehende Lehrkräfte über Erziehungshilfe und Pädagogik bei Verhaltensstörungen
Geleitet wird die Beratungsstelle von Professor Roland Stein, dem Inhaber des Lehrstuhls für Sonderpädagogik V; um die Organisation kümmert sich die Sonderpädagogin Birte Hoffmann. Unterstützt wird die Arbeit der Beratungsstelle durch die Diplom-Erziehungswissenschaftlerinnen Maria Fenske und Stephanie Wagner, beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls.
Verbindung von Forschung und Praxis
Noch befindet sich die Beratungsstelle in der Aufbauphase. Auf der Basis von Bedarfserhebungen will Stein gemeinsam mit der Schulbehörde der Regierung von Unterfranken nun Stück für Stück ein gezieltes Angebot aufbauen. "Dazu gehören ambulante, aufsuchende Aktivitäten, aber auch stationäre Beratung vor Ort", so Stein. Die universitäre sonderpädagogische Beratungsstelle soll das bereits bestehende Angebot passgenau ergänzen: "Unser großer Vorteil besteht natürlich in dem Spektrum der Möglichkeiten, Lehre und Forschung in die Praxis unterstützend mit einzubinden", erklärt Birte Hoffmann.
Enge Zusammenarbeit mit den Behörden
Der Start der neuen Beratungsstelle geschieht in enger Kooperation mit der Abteilung Förderschulen der Regierung von Unterfranken. "Der leitende Regierungsschuldirektor Hartmut Lüft und die Fachreferentin für Erziehungshilfe, Judith Steinhübel, haben unsere Aktivitäten sehr unterstützt", sagt Roland Stein. Von schulischer Seite wird die Sonderpädagogin Sarah Hanglberger von Beginn an mit dabei sein; sie bildet das Bindeglied zu den Schulen.
Neben der direkten Unterstützung von Lehrern und Schulen soll die Beratungsstelle auch Multiplikatorfunktionen übernehmen, indem sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen für Expertenteams in der Erziehungshilfe bereitstellt beziehungsweise aufbereitet.
Kontakt
Prof. Dr. Roland Stein, T: (0931) 31-84835, roland.stein@uni-wuerzburg.de
E-Mail an die Beratungsstelle: sbfe@uni-wuerzburg.de
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06.10.2009
Entwicklungsland Deutschland: Prävention könnte psychische Störungen bei Kindern verhindern
Ulrike Rolf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet. Mittlerweile leidet fast jedes dritte Kind im Laufe seiner Entwicklung unter einer seelischen Erkrankung. Auf der Fachtagung "Seelisch gesund groß werden" an der Technischen Universität Braunschweig stellten Psychologen, Ärzte und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Präventionsmaßnahmen vor, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. Sie forderten, dass insbesondere Erziehende in einem gesundheitsfördernden Erziehungsstil geschult werden sollten, damit mehr Kinder seelisch gesund groß werden können.
In Deutschland spielt der Einsatz wirksamer Erziehungsprogramme und Präventionsstrategien eine untergeordnete Rolle. Vor allem in den angelsächsischen Ländern hingegen wird Frühprävention vom Staat unterstützt. "Es gibt keine Lobby bei uns, die sich für Prävention kindlicher psychischer Störungen starkmacht. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird gehandelt. Wir appellieren an die Politik, die Zugänglichkeit wissenschaftlich evaluierter Elternprogramme zu unterstützen", forderte Prof. Kurt Hahlweg, Klinischer Psychologe an der TU Braunschweig.
Die seelische Gesundheit von Kindern fördern
Auslöser für psychische Störungen bei Kindern können biologische Faktoren (z. B. Vererbung, geringes Geburtsgewicht, Geburtskomplikationen), psychosoziale Bedingungen, (wie schlechte Wohnverhältnisse, Armut etc.) aber auch fehlende erzieherische Kompetenzen der Eltern und Bezugspersonen sein. Dabei sind Gene und psychosoziale Bedingungen nur schwer zu verändern. Erfolgreiche Maßnahmen zur Vorbeugung psychischer Störungen im Kindesalter setzen daher an der Verbesserung von Erziehungskompetenzen von Eltern und Bezugspersonen an. Übereinstimmend zeigt sich in zahlreichen Studien weltweit, dass Erziehungstrainings, die einen autoritativen Erziehungsstil vermitteln - ein Erziehungsstil, der durch hohe Wertschätzung und klare Verhaltensregeln gegenüber dem Kind gekennzeichnet ist - zur Verbesserung des seelischen Befindens von Kindern beitragen. Zudem konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass ein positiver Erziehungsstil insbesondere bei Kindern mit biologischen Risiken zur Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit beiträgt und somit das biologische Risiko "abpuffern" kann.
Was leisten erfolgreiche Erziehungstrainings?
Erfolgreiche Trainings sind durch klare Handlungsanweisungen und das gezielte Einüben neuen Erziehungsverhaltens charakterisiert. Eltern oder Erziehungspersonen üben in solchen Trainings:
o positive Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen durch gemeinsame wertvolle Eltern-Kind-Zeiten, Zuneigung und Gespräche
o positives Verhalten des Kindes durch Loben und Aufmerksamkeit zu fördern;
o Verhalten zu ändern durch Lernen am Modell und systematische Beachtung von neuem Verhalten
o klare, ruhige Anweisungen; ignorieren von problematischem Verhalten, konsequentes Verhalten nach Fehlverhalten.
In einer Studie der Technischen Universität Braunschweig konnte auch für Deutschland gezeigt werden, dass mit solchen Trainings langfristig die Erziehungskompetenzen der Eltern sichtbar verbessert und die Rate von Verhaltensauffälligkeit bei Kindern reduziert werden konnten.
Verwirrende Vielfalt in Deutschland
Problematisch ist, dass es in Deutschland zwar ein großes Angebot familienbezogener Maßnahmen gibt, die oftmals Erziehungsthemen beinhalten. Nur selten aber kommen Programme zur Anwendung, deren Effektivität wissenschaftlich geprüft bzw. belegt ist. Anders als bei Medikamenten und anderen medizinischen Behandlungen wird für psychologische Maßnahmen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geprüft, bevor sie in die praktische Anwendung kommen. Die Sichtweise, dass psychologische Interventionen immer nur Gutes tun und nicht schaden können, ist nachweislich falsch und bedarf dringend der Korrektur in der Öffentlichkeit. "Für wirksame Elterntrainings bedeutet dies, dass sie überprüft sein müssen und nur durch speziell geschulte und zertifizierte Psychologen und Pädagogen durchgeführt werden dürfen. Auch müssen die Ausbilder an regelmäßigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung teilnehmen", betont die Klinische Kinder- und Jugendpsychologin, Silvia Schneider, Professorin an der Universität Basel.
Eltern sind oft überfordert
Für Eltern und Erziehungspersonen ist es nahezu unmöglich, zwischen wissenschaftlich bewährten und unerprobten Hilfen zu unterscheiden. Dabei wünschen sich Eltern dringend Erziehungshilfen. 68 Prozent der Eltern sehen sich in einer Umfrage des Lehrstuhls für Klinische Psychologie der TU Braunschweig mit Erziehungsfragen überfordert. Sie möchten konkrete und umsetzbare Handlungsanweisungen für ihren täglichen Umgang mit ihren Kindern. Dafür sind sie auch bereit, einen finanziellen Beitrag zu leisten.
Für die Wissenschaftler ist es wichtig, raus aus dem Elfenbeinturm hinein in die breite Anwendung zu gehen. Mit dem Kongress haben sie einen Dialog angestoßen zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Psychologen, aber auch mit Politikern und Entscheidungsträgern von Präventionsmaßnahmen. Ihr Ziel ist es, die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen für evidenzbasierte Prävention zu verbessern, mehr Transparenz zu schaffen und ein Engagement der gesundheitspolitisch Verantwortlichen zu verstärken, "weil wir nur so weite Teile der Eltern, insbesondere Eltern aus sogenannten "bildungsfernen" Gruppen mit qualifizierter Hilfe erreichen", resümierte Prof. Hahlweg.
Die Forderungen der Wissenschaftler:
1. Qualitätssicherung bei Präventionsprogrammen
2. Transparente Darstellung und Bewertung solcher Programme im Internet
3. Ausbildung von 10.000 Trainern
4. Investitionen in Prävention und mehr Kinder- und Jugendtherapeuten
Kontakt:
TU Braunschweig
Prof. Dr. Kurt Hahlweg
T. 0531-391-3623
k.hahlweg@tu-braunschweig.de
Pressekontakt:
Kongress-Presseteam
Sieglinde Schneider
T. 0611/ 40 80 610
sieglinde.schneider@accente.de
Weitere Informationen:
http://www.praeventionskongress-bs.de
http://www.klaus-grawe-stiftung.ch
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29.09.2009
Erstmals Gen für Sprachverarbeitung bei der Legasthenie gefunden
Philipp Kressirer, Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München
Fehlerhafte Steuerung des Glukosetransporters im Gehirn beeinträchtigt die Sprachverarbeitung bei Kindern
An Legasthenie leiden in Europa ca. 22 Millionen Menschen. Nicht lesen und schreiben zu können, trotz Schulbesuch und viel Unterstützung durch die Eltern, belastet viele Kinder in ihrer Entwicklung und führt nicht selten zu Schulabbruch und psychischen Problemen.
Ein deutsches Forschungskonsortium unter der Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität München bestehend aus dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, dem Institut für Humangenetik der Universität Bonn und Life and Brain Zentrum in Bonn, den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitäten Marburg und Würzburg haben erstmals ein Gen gefunden, das wesentlich die Regulation eines Glukosetransporters im Gehirn steuert und die Sprachverarbeitung bei Kindern mit Legasthenie beeinflusst. Diese Ergebnisse sind ab heute in der Zeitschrift Molecular Psychiatry online verfügbar.Fremdsprachen fördern Lern- und Entscheidungsfähigkeit
(Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz)
Wer sich eine Fremdsprache aneignet, kann nicht nur sein Sprachverständnis und seine Kommunikationsfähigkeit verbessern. Vielmehr erhöht das Erlernen einer neuen Sprache auch die generelle Lernfähigkeit und fördert wesentliche kognitive Gehirnfunktionen. Darauf weist Dr. Curt Beil vom Berufverband Deutscher Neurologen (BDN) unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen, internationalen Studie hin. „Fremdsprachenlernen erleichtert es offenbar, sich auch in andere Wissensgebiete einzuarbeiten - das hat die Auswertung von über 1.400 weltweiten Untersuchungen zum Thema Mehrsprachigkeit im Auftrag der Europäischen Kommission ergeben“, berichtet der Neurologe. „Auch die Schnelligkeit bei der Entscheidungsfindung, die geistige Flexibilität und die zwischenmenschliche Kompetenz werden durch Mehrsprachigkeit gesteigert. Beim Denken, Lernen und Entscheiden wird der so genannte Arbeitsspeicher im Kurzzeitgedächtnis stärker beansprucht, was sich auch auf andere kognitive Fähigkeiten vorteilhaft auszuwirken scheint. So sind Mehrsprachige den Monolingualen darin überlegen, wie sie an komplexe Problemstellungen herangehen und diese lösen. Zum Beispiel sind sie insbesondere beim Aussortieren irrelevanter Informationen und beim Treffen von Entscheidungen schneller und es gelingt ihnen besser, über längere Zeit intensiv über ein Problem nachzudenken. Außerdem scheinen Menschen, die gelernt haben, mehrere Sprachen zu sprechen, im Alter besser vor geistigem Verfall geschützt zu sein.“
Kreativerer Einsatz der eigenen Gehirnkapazitäten
Bislang sind Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich kognitive Vorteile durch Mehrsprachigkeit erst dann ergeben, wenn gleich zwei oder drei Fremdsprachen auf hohem Niveau beherrscht werden. „Die aktuelle Studie zeigt aber auf, dass es auch schon beim Erlernen einer einzigen fremden Sprache zu einer deutlichen Veränderung der elektrischen Aktivität in bestimmten Hirnregionen kommt, die zu einem kreativeren Einsatz der eigenen Gehirnkapazitäten befähigt“, betont Beil. „Diese Vorteile könnten und sollten viele Menschen dazu inspirieren und motivieren, eine Fremdsprache, die sie zum Beispiel vor langer Zeit in der Schule erlernt aber größtenteils vergessen haben, wieder aufzufrischen und aktiv einzusetzen.“
11.11.2009
Stärkung des Selbstwertgefühls verringert riskanten Alkoholkonsum bei Jugendlichen
(Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz)
Riskanter Konsum von Alkohol bei Jugendlichen wird in hohem Maß durch das Nachahmen des Verhaltens Gleichaltriger und den Wunsch der Jugendlichen nach Zugehörigkeit und Anerkennung gefördert. „Indem Jugendliche in ihrer Familie jedoch Respekt und Aufmerksamkeit erfahren und dabei ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, fällt es ihnen leichter, dem Gruppenzwang zu widerstehen und nicht mitzumachen, wenn sich Altersgenossen exzessiv betrinken“, rät Dr. Maik Herberhold, Vorsitzender des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Bochum. „Die Förderung der Eigeninitiative und Eigenverantwortung zum Beispiel durch Übertragen wichtiger Aufgaben in der Familie erleichtert einem Jugendlichen, eigene Erfahrungen auch in Bezug auf Alkohol zu sammeln und sich ein Urteil zu bilden. Handelt ein Jugendlicher mit Zustimmung der Eltern, bestehen zudem viel bessere Chancen, dass er mit den Eltern über seine Erfahrungen spricht.“
Riskantes Trinkverhalten ist kein Merkmal der Jugend. In unserem Kulturraum besitzt der Konsum von Alkohol eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und wird meist mit Spaß und guter Laune gleichgesetzt. Jemand, der bei einer Feier keinen Alkohol trinkt, fällt oftmals mehr auf, als jemand, der zu viel getrunken hat. „In Bezug auf den Umgang mit Alkohol haben insbesondere die Eltern eine wichtige Vorbildfunktion. Wenn Alkohol von ihnen als Methode zur Entspannung und zur Lösung von Konflikten eingesetzt wird, neigen Jugendliche dazu, dieses Verhalten zu übernehmen. Stattdessen ist es wichtig, dass Kinder von den Eltern lernen, Konflikte konstruktiv auszutragen und Probleme offen anzusprechen“, empfiehlt Dr. Herberhold. „Ebenso sollten Jugendliche frühzeitig Möglichkeiten kennen lernen, wie sie mit der Familie oder Freunden Spaß haben können, wie zum Beispiel durch sportliche Aktivität, gemeinsame Unternehmungen oder Spielen eines Musikinstruments.“
In der Phase der Löslösung von den Eltern, benötigen Jugendliche zum einen das Gefühl, eine Basisstation zu haben, zu der sie mit all ihren neuen Erfahrungen jederzeit zurückkehren können und andererseits klare Grenzen. „Eltern sollten für Jugendliche ab einem bestimmten Alter kein generelles Alkoholverbot aussprechen, da dies den Reiz des Verbotenen erhöht. Allerdings sollten Eltern klare Ausgehregeln mit den Jugendlichen vereinbaren und bei einer Missachtung Konsequenzen ziehen“, rät Dr. Herberhold. Um das Umfeld der Jugendlichen einschätzen zu können, ist es hilfreich, dass Eltern Freunde ihrer Kinder oder auch, wenn möglich, deren Eltern kennen lernen. „So sollten sich Eltern beispielsweise nicht scheuen, sich mit Freunden, die ihre Kinder abholen, zu unterhalten, auch wenn das den Kindern vielleicht etwas peinlich ist.“
Entdecken Eltern bei Jugendlichen Hinweise auf übermäßigen Alkoholkonsum, so ist es wichtig zu handeln, jedoch nicht zu überreagieren. „Wenn zum Beispiel der Sohn oder die Tochter angetrunken nach Hause kommt, sollte man mit einem Gespräch bis zum nächsten Tag warten. Dann sollte geklärt werden, was und wie viel getrunken wurde, wie es dazu kam und ob dies das erste Mal war oder regelmäßig geschieht“, erklärt Dr. Herberhold. „Die Eltern sollten dem Jugendlichen deutlich klar machen, dass sie den Alkoholkonsum nicht gutheißen. Es sollten Regeln und deren Kontrolle für das nächste Mal vereinbart werden. Wichtig ist dabei, dass deutlich wird, dass die Eltern ihrem Kind vertrauen und kein Partyverbot aussprechen wollen. Am wichtigsten ist es, mit dem Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.“
In Deutschland sind ca. 160 000 Kinder und Jugendliche von Alkoholmissbrauch und abhängigkeit betroffen. Die Hälfte aller Jugendlichen praktiziert mindestens einmal im Monat Binge-Drinking, nimmt also in kürzester Zeit sehr große Mengen Alkohol auf.
Ein neuer Ratgeber informiert zu den Hintergründen von exzessivem Alkoholkonsum bei jungen Menschen und hilft Eltern, Anzeichen für problematisches Trinkverhalten zu erkennen. Experten erklären zudem wie Eltern, Lehrer und Jugendbetreuer ihre Schützlinge auf das Thema Alkohol ansprechen können – ohne Vorwürfe oder Peinlichkeiten – und zeigen Wege aus der Alkoholfalle.
Ratgeber: Was tun, wenn Jugendliche trinken?
04.11.2009
Wie macht Schulstress Lehrer krank? Jacobs University sucht Probanden für neue Studie
Dr. Kristin Beck, Corporate Communications & Media Relations
Jacobs University Bremen
Gesundheitspsychologen der Jacobs University untersuchen die psychischen und physischen Auswirkungen von chronischem Stress bei Lehrern. Für diese Studie werden ab sofort Lehrer und Referendare als Probanden. Alle Studienteilnehmer erhalten neben einer Aufwandsentschädigung auch Informationen über ihre eigene Stressreaktion.
In Deutschland entscheiden sich zunehmend weniger Menschen für den Lehrerberuf, weshalb viele Schulen bereits jetzt über Nachwuchssorgen klagen. Denn obwohl sich hartnäckig das Vorurteil vom entspannten und gut bezahlten Halbtagsjob hält, ergeben wissenschaftliche Studien ein ganz anderes Bild: Vor allem die psychischen Belastungen der Pädagogen sind überdurchschnittlich hoch. Lehrer leiden im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich häufiger an Erschöpfungszuständen, Burnout und anderen Stresskrankheiten. Ärger mit Schülern und Eltern, Zeitdruck, der hohe Lärmpegel im Klassenzimmer und die zunehmende Notwendigkeit, nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Ersatz-Erzieher und Sozialpädagoge zu sein - all das müssen Lehrer täglich verkraften.
Normalerweise entwickeln Menschen Fähigkeiten und Strategien, um konstruktiv mit Stress umzugehen. Nimmt der Stress jedoch überhand und wird chronisch, können sich allmählich Veränderungen im Körper einstellen. Die ursprünglich gesunde Stressregulation wird gestört und Stresshormone geraten aus dem Gleichgewicht. Frühere Studien von Forschern der Jacobs University um Prof. Brigitte Kudielka zeigten, dass langfristiger Dauerstress über diese psycho-biologischen Mechanismen vermehrt zu Erkrankung bei Lehrern führen kann.
In ihrer neuen Studie wollen die Jacobs-Psychologen nun mit einem Standard-Stimulationstest systematisch die Regulation der Stresshormone bei berufstätigen Lehrern untersuchen. Parallel dazu sollen in einer weiteren Studie das Stresserleben und die Stressreaktionen von Referendaren, die neu in den Lehrerberuf einsteigen, untersucht werden. Zusammen sollen die Ergebnisse beider Studien weiteren Aufschluss über die psycho-biologischen Effekte von chronischem Schulstress geben.
Für die Studie werden ab sofort sowohl Lehrer als auch Rerendare mit hoher Belastung, aber auch völlig unbelastete oder nur leicht gestresste Probanden aus beiden Gruppen gesucht.
Die Lehrer werden gebeten, an zwei jeweils dreistündigen Terminen im Klinikum Bremen Nord an physiologischen Untersuchungen teilzunehmen. Sie erhalten als Ergebnis eine Rückmeldung zu ihrer eigenen Stressreaktion sowie 12 Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung.
Die Referendare werden gebeten, sowohl an einem regulären Schultag als auch an einem Arbeitstag mit einer besonderen Prüfungssituation (Lehrprobe, Unterrichtsbesuch etc.) mehrmals im Tagesverlauf eigene Speichelproben sammeln, in denen die Menge von Stresshormonen bestimmt werden soll. An der Jacobs University folgt dann an einem gesonderten Termin ein Stress-Test von ca. 2,5 Stunden im Labor. Der Aufwand der Referendare wird mit 50 Euro vergütet. Natürlich erhalten auch sie eine Rückmeldung über die eigenen Stresswerte.
Für Fragen zur Teilname und Terminabsprachen wenden Sie sich bitte an:
Jacobs University Bremen | Maren Wolfram
Tel.: 0421-200 4721 | m.wolfram@jacobs-university.de
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news342370
04.11.2009
Jugendsprache besser verstehen - Sprachwissenschaftler der Freien Universität eröffnen Internetportal
Carsten Wette, Kommunikations- und Informationsstelle
Freie Universität Berlin
Mithilfe eines von Wissenschaftlern der Freien Universität betriebenen Internetportals zu Jugendsprache können Schüler von nun an ihre eigene Ausdrucksweise untersuchen. Die Forscher haben dafür die Seite www.alltagstauglich.jugendsprache-berlin.de mit einem Comic und einem Tutorium entwickelt. Ziel ist es, Jugendliche ab zwölf Jahren zu eigenständigen Sprachuntersuchungen zu ermuntern und zu befähigen. Außerdem bietet die Seite Lehrmaterial, das im Deutschunterricht von der 7. Klasse an verwendet werden kann.
Begrüßt werden die Jugendlichen in dem Portal von einem Außerirdischen namens Jettich. Er will die Sprache der Erdbewohner untersuchen und stellt fest, dass er die Jugendsprache nicht versteht; die Schüler sollen ihm dabei helfen.
Die Regeln der Sprachforschung lernen Schüler in einem Online-Kurs. Dort führt sie ein Internet-Professor mit Hörbeispielen und Wissenstests in die Grundlagen ein. Anschließend sollen Jugendliche selbst Sprachuntersuchungen anstellen. Auf der Internetseite finden sie eine Anleitung zum Bau kleiner Mikrofone, um Sprachdaten aufzunehmen und auszuwerten. Wenn die Schüler auf der Seite die Funktion "Spacebar" anklicken, können sie mit Sprachwissenschaftlern über Fragen oder Themen des Tutoriums diskutieren.
Das Projekt "Jugendsprache Alltagstauglich?" ist Preisträger des Hochschulwettbewerbs des Bundesforschungsministeriums "Forschungsexpedition Deutschland im Wissenschaftsjahr 2009".
Weitere Informationen erhalten Sie gern von:
Victoria Viererbe, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-54406, E-Mail: v.viererbe@jugendsprache-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.alltagstauglich.jugendsprache-berlin.de/
15.10.2009
Fit durch Wii und Co? Sportmediziner untersuchen den Trainingsreiz interaktiver Videospielkonsolen
Dr. Christina Heimken, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Münster (mfm/tb) - Action, Bewegung, Fitness, gesünderer Lebensstil - auf den Internetseiten der Hersteller von Videospielkonsolen wimmelt es von solchen Begriffen. Selbst eine Software zum Kalorienzählen fehlt nicht im Angebot. Diese Werbung suggeriert: Mit interaktiven Videospielkonsolen lässt sich körperliche Fitness auch vor dem heimischen Bildschirm erreichen. Der münstersche Sportmediziner Prof. Klaus Völker dämpft diese Erwartung jedoch: Ein Forscherteam unter seiner Leitung hat die Effektivität des Trainingsreizes der Konsolen anhand des Marktführers untersucht. Völkers Fazit: "Virtueller Sport ist allenfalls Bewegung und kann echten auf keinen Fall ersetzen".
Über 40 Sportstudenten - je zur Hälfte Männer und Frauen - nahmen an der Studie des von Völker geführten Instituts für Sportmedizin der Universität Münster teil. Die Anforderungen an die zwischen 21 und 29 Jahren alten Probanden: Die Teilnehmer mussten gesund und an den Videospielkonsolen Neulinge sein. Die Studierenden traten in drei Disziplinen gegen ihre Spielpartner an: im Boxen, im Tennis sowie im Vierkampf, einer Mischung aus drei Laufdistanzen und einer Schwimmstrecke. Zwischen den jeweils eine Viertelstunde dauernden Spielblöcken gab es 20-minütige Pausen, damit die Belastung der Probanden wieder auf das Normalniveau sinken konnte.
Während der Querschnittsuntersuchung beobachteten Völker und sein fünfköpfiges Team, wie sich die Werte bei verschiedenen Indikatoren für eine körperliche Belastung veränderten. Gemessen wurden beispielsweise die Herzfrequenz und der Laktatwert der Probanden. Zudem wurden diese um eine Selbsteinschätzung ihrer Anstrengung nach einem internationalen Standard, der Borg-Skala, gebeten. Die so gewonnenen Angaben wurden anschließend mit Durchschnittswerten verglichen, die aus der Forschung für die realen Sportarten bekannt sind.
Einhelliges Ergebnis für alle drei getesteten Disziplinen: Die Computerspiele kamen bei weitem nicht an das Belastungsniveau und damit den Trainingseffekt ihrer Vorbilder heran. Lediglich das Boxen führte zu einer trainingsphysiologisch relevanten, allerdings nur moderaten Belastung. Zu den Messwerten passt die Selbsteinschätzung der Teilnehmer: Diese beurteilten selbst die körperlich anspruchvollste Sportart, das Boxen, auf der Borg-Skala im Schnitt nur als "etwas anstrengend". Dass sich die Probanden nicht verausgaben mussten, hängt auch mit der Dauer der reinen Bewegungszeit zusammen: Selbst bei der hier führenden Disziplin, dem Boxen, entfielen darauf im Mittel nur knapp 9 von 15 gespielten Minuten. Beim Vierkampf wurden im Schnitt sogar nur 4 Minuten und 49 Sekunden mit dem eigentlichen Spielen verbracht.
Auch aus zwei weiteren Gründen eignen sich die Videospielkonsolen laut Völker nicht als Sportersatz. Die Nutzer merkten schnell, dass die Sensoren an den Steuergeräten der Konsolen, den so genannten Controllern, bereits bei geringen Bewegungen ansprechen. Daher neigten die Spieler mit der Zeit dazu, ihre Bewegungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Ökonomisierungseffekt nennt Völker diese Erscheinung, die zwar nicht Gegenstand der Untersuchung, aber "als Trend klar erkennbar" gewesen sei. Zum zweiten habe die Studie deutlich vor Augen geführt, dass Konsolen-Fans "nicht miteinander, sondern nebeneinander spielen". Die Kommunikation als ein wichtiger, auch motivierender Faktor bei vielen Sportarten werde durch die einseitige Ausrichtung der Spieler auf den Bildschirm beeinträchtigt.
Für Völker steht daher fest: Interaktive Videospiele können ihren Besitzern zu mehr Bewegung verhelfen, aber fehlende echte sportliche Bewegung nicht ausgleichen. "Besser das ganze Erlebnis 'Sport draußen', als die virtuelle Sparversion im Wohnzimmer", so seine Empfehlung.
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de/campus-news.html?&newsid=285&cHash=faee2c0... weitere Informationen
13.10.2009 08:53
Wie Gefühle unser Gedächtnis steuern
MA Reto Caluori, Öffentlichkeitsarbeit
Universität Basel
Emotionale Erlebnisse bleiben erfahrungsgemäss besonders stark im Gedächtnis haften, jedoch nicht bei allen Menschen gleich stark. Wissenschaftler der Universität Basel haben für dieses Phänomen einen molekularen Mechanismus beschrieben. Die Forschungsresultate erscheinen diese Woche in der Online-Ausgabe der US-Fachzeitschrift PNAS.
An die Hochzeit, einen schönen Urlaub, aber auch an einen Unfall können wir uns oft noch Jahre später sehr gut erinnern. Hingegen werden alltägliche, gefühlsneutrale Geschehnisse nur oberflächlich abgespeichert und schneller vergessen. Dieser gedächtnisfördernde Effekt von Emotionen ist biologisch sinnvoll. So brennen sich erlebte Gefahrensituationen tief in unser Gedächtnis ein und können dadurch eher vermieden werden. Dieser Effekt von Gefühlen auf das Gedächtnis ist aber nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt.
Die Professoren Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel hatten entdeckt, dass eine genetisch verankerte Variante eines bestimmten Rezeptors (alpha-2B-adrenerger Rezeptor), der als Andockstelle für den Botenstoff Noradrenalin dient, dazu beiträgt, dass man sich besonders stark an emotionale Information erinnert.
Die Forscher fanden zudem heraus, dass dieselbe Rezeptorvariante auch für die Stärke von quälenden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bei der posttraumatischen Belastungsstörung mitverantwortlich ist. Allerdings blieb bisher unklar, wie diese genetische Variante zu einem besseren emotionalen Gedächtnis führt.
Erhöhte Aktivität des Mandelkerns
In der aktuellen Untersuchung studierten die Wissenschaftler den zugrunde liegenden Mechanismus. Dr. Björn Rasch, der Erstautor der Studie, untersuchte dazu die Hirnaktivität von gesunden Versuchteilnehmern, während diese sich emotionale Bilder anschauten. Die Rezeptorvariante, die mit einem gesteigerten emotionalen Gedächtnis einherging, führte zu einer erhöhten Aktivität des Mandelkerns (Amygdala), einer Hirnstruktur, die wichtig ist für die Verarbeitung und Abspeicherung emotionaler Information.
Dieser genetisch verankerte Mechanismus führt also über eine erhöhte Aktivität im Mandelkern dazu, dass man sich beispielsweise besonders gut an erlebte Gefahrensituationen erinnert und sie dadurch künftig besser vermeiden kann. Der Preis, den man für diesen positiven Effekt zu bezahlen hat, könnte allerdings sein, dass sich auch schlimme traumatische Erlebnisse tiefer ins Gedächtnis eingraben und so in Form quälender Erinnerungen weiter existieren. Die aktuelle Studie fand im Rahmen eines von de Quervain und Papassotiropoulos geleiteten Projekts statt.
Neurobiologische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses
Das Projekt "Neurobiologische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses" wird von den Professoren Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain von der Universität Basel geleitet und vom Schweizerischen Nationalfonds, der European Science Foundation und mehreren universitären und privaten Stiftungen gefördert. Zu den Zielen des Projektes gehören die Identifizierung von neurobiologischen und molekularen Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses und die gezielte Entwicklung neuer Therapiestrategien zur Behandlung von Gedächtnisstörungen. Das Projekt umfasst mehrere Tausend Versuchsteilnehmer und Patienten aus Europa, den USA und Afrika. Bisherige Studien wurden unter anderem in den Wissenschaftszeitschriften Nature Neuroscience (2003, 2007), PNAS (2006, 2009) und Science (2006) publiziert.
Originalbeitrag
B. Rasch, K. Spalek, S. Buholzer, R. Luechinger, P. Boesiger, A. Papassotiropoulos, and D. de Quervain
A genetic variation of the noradrenergic system is related to differential amygdala activation during encoding of emotional memories
PNAS Early Edition | DOI: 10.1073/pnas.0907425106
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Dominique de Quervain, Direktor Division Kognitive Neurowissenschaften der Universität Basel, Tel. +41 61 267 02 37, E-Mail: dominique.dequervain@unibas.ch
Weitere Informationen:
http://www.brainscience.ch/unibas-dcn.html - Division Kognitive Neurowissenschaften der Universität Basel
06.10.2009
Erziehungshilfe: Neue Beratungsstelle für Schulen
Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Wenn Lehrer oder Schulen nicht mehr wissen, wie sie mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern umgehen sollen, finden sie ab sofort Hilfe an der Uni Würzburg. Dort hat Anfang Oktober die Sonderpädagogische Beratungsstelle für Erziehungshilfe die Arbeit aufgenommen.
Verhaltensauffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen sind weit verbreitet. Nicht nur Aggressivität, Gewalt und die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) spielen dabei eine Rolle. Auch Ängstlichkeit, soziale Unsicherheit, Drogen, Essstörungen oder "Null Bock auf die Schule" sind Probleme, mit denen Lehrerinnen und Lehrer häufig konfrontiert werden.
Unterstützung finden sie jetzt bei der Sonderpädagogischen Beratungsstelle für Erziehungshilfe am Lehrstuhl für Sonderpädagogik V der Universität Würzburg. Diese bietet Schulen Beratung für den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören:
- individuelle Beratung für Lehrkräfte an Regel- und Förderschulen sowie Förderzentren
- Unterstützung und Begleitung von Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozessen
- Fortbildungsangebote für angehende Lehrkräfte über Erziehungshilfe und Pädagogik bei Verhaltensstörungen
Geleitet wird die Beratungsstelle von Professor Roland Stein, dem Inhaber des Lehrstuhls für Sonderpädagogik V; um die Organisation kümmert sich die Sonderpädagogin Birte Hoffmann. Unterstützt wird die Arbeit der Beratungsstelle durch die Diplom-Erziehungswissenschaftlerinnen Maria Fenske und Stephanie Wagner, beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls.
Verbindung von Forschung und Praxis
Noch befindet sich die Beratungsstelle in der Aufbauphase. Auf der Basis von Bedarfserhebungen will Stein gemeinsam mit der Schulbehörde der Regierung von Unterfranken nun Stück für Stück ein gezieltes Angebot aufbauen. "Dazu gehören ambulante, aufsuchende Aktivitäten, aber auch stationäre Beratung vor Ort", so Stein. Die universitäre sonderpädagogische Beratungsstelle soll das bereits bestehende Angebot passgenau ergänzen: "Unser großer Vorteil besteht natürlich in dem Spektrum der Möglichkeiten, Lehre und Forschung in die Praxis unterstützend mit einzubinden", erklärt Birte Hoffmann.
Enge Zusammenarbeit mit den Behörden
Der Start der neuen Beratungsstelle geschieht in enger Kooperation mit der Abteilung Förderschulen der Regierung von Unterfranken. "Der leitende Regierungsschuldirektor Hartmut Lüft und die Fachreferentin für Erziehungshilfe, Judith Steinhübel, haben unsere Aktivitäten sehr unterstützt", sagt Roland Stein. Von schulischer Seite wird die Sonderpädagogin Sarah Hanglberger von Beginn an mit dabei sein; sie bildet das Bindeglied zu den Schulen.
Neben der direkten Unterstützung von Lehrern und Schulen soll die Beratungsstelle auch Multiplikatorfunktionen übernehmen, indem sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen für Expertenteams in der Erziehungshilfe bereitstellt beziehungsweise aufbereitet.
Kontakt
Prof. Dr. Roland Stein, T: (0931) 31-84835, roland.stein@uni-wuerzburg.de
E-Mail an die Beratungsstelle: sbfe@uni-wuerzburg.de
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06.10.2009
Entwicklungsland Deutschland: Prävention könnte psychische Störungen bei Kindern verhindern
Ulrike Rolf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet. Mittlerweile leidet fast jedes dritte Kind im Laufe seiner Entwicklung unter einer seelischen Erkrankung. Auf der Fachtagung "Seelisch gesund groß werden" an der Technischen Universität Braunschweig stellten Psychologen, Ärzte und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Präventionsmaßnahmen vor, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. Sie forderten, dass insbesondere Erziehende in einem gesundheitsfördernden Erziehungsstil geschult werden sollten, damit mehr Kinder seelisch gesund groß werden können.
In Deutschland spielt der Einsatz wirksamer Erziehungsprogramme und Präventionsstrategien eine untergeordnete Rolle. Vor allem in den angelsächsischen Ländern hingegen wird Frühprävention vom Staat unterstützt. "Es gibt keine Lobby bei uns, die sich für Prävention kindlicher psychischer Störungen starkmacht. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird gehandelt. Wir appellieren an die Politik, die Zugänglichkeit wissenschaftlich evaluierter Elternprogramme zu unterstützen", forderte Prof. Kurt Hahlweg, Klinischer Psychologe an der TU Braunschweig.
Die seelische Gesundheit von Kindern fördern
Auslöser für psychische Störungen bei Kindern können biologische Faktoren (z. B. Vererbung, geringes Geburtsgewicht, Geburtskomplikationen), psychosoziale Bedingungen, (wie schlechte Wohnverhältnisse, Armut etc.) aber auch fehlende erzieherische Kompetenzen der Eltern und Bezugspersonen sein. Dabei sind Gene und psychosoziale Bedingungen nur schwer zu verändern. Erfolgreiche Maßnahmen zur Vorbeugung psychischer Störungen im Kindesalter setzen daher an der Verbesserung von Erziehungskompetenzen von Eltern und Bezugspersonen an. Übereinstimmend zeigt sich in zahlreichen Studien weltweit, dass Erziehungstrainings, die einen autoritativen Erziehungsstil vermitteln - ein Erziehungsstil, der durch hohe Wertschätzung und klare Verhaltensregeln gegenüber dem Kind gekennzeichnet ist - zur Verbesserung des seelischen Befindens von Kindern beitragen. Zudem konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass ein positiver Erziehungsstil insbesondere bei Kindern mit biologischen Risiken zur Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit beiträgt und somit das biologische Risiko "abpuffern" kann.
Was leisten erfolgreiche Erziehungstrainings?
Erfolgreiche Trainings sind durch klare Handlungsanweisungen und das gezielte Einüben neuen Erziehungsverhaltens charakterisiert. Eltern oder Erziehungspersonen üben in solchen Trainings:
o positive Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen durch gemeinsame wertvolle Eltern-Kind-Zeiten, Zuneigung und Gespräche
o positives Verhalten des Kindes durch Loben und Aufmerksamkeit zu fördern;
o Verhalten zu ändern durch Lernen am Modell und systematische Beachtung von neuem Verhalten
o klare, ruhige Anweisungen; ignorieren von problematischem Verhalten, konsequentes Verhalten nach Fehlverhalten.
In einer Studie der Technischen Universität Braunschweig konnte auch für Deutschland gezeigt werden, dass mit solchen Trainings langfristig die Erziehungskompetenzen der Eltern sichtbar verbessert und die Rate von Verhaltensauffälligkeit bei Kindern reduziert werden konnten.
Verwirrende Vielfalt in Deutschland
Problematisch ist, dass es in Deutschland zwar ein großes Angebot familienbezogener Maßnahmen gibt, die oftmals Erziehungsthemen beinhalten. Nur selten aber kommen Programme zur Anwendung, deren Effektivität wissenschaftlich geprüft bzw. belegt ist. Anders als bei Medikamenten und anderen medizinischen Behandlungen wird für psychologische Maßnahmen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geprüft, bevor sie in die praktische Anwendung kommen. Die Sichtweise, dass psychologische Interventionen immer nur Gutes tun und nicht schaden können, ist nachweislich falsch und bedarf dringend der Korrektur in der Öffentlichkeit. "Für wirksame Elterntrainings bedeutet dies, dass sie überprüft sein müssen und nur durch speziell geschulte und zertifizierte Psychologen und Pädagogen durchgeführt werden dürfen. Auch müssen die Ausbilder an regelmäßigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung teilnehmen", betont die Klinische Kinder- und Jugendpsychologin, Silvia Schneider, Professorin an der Universität Basel.
Eltern sind oft überfordert
Für Eltern und Erziehungspersonen ist es nahezu unmöglich, zwischen wissenschaftlich bewährten und unerprobten Hilfen zu unterscheiden. Dabei wünschen sich Eltern dringend Erziehungshilfen. 68 Prozent der Eltern sehen sich in einer Umfrage des Lehrstuhls für Klinische Psychologie der TU Braunschweig mit Erziehungsfragen überfordert. Sie möchten konkrete und umsetzbare Handlungsanweisungen für ihren täglichen Umgang mit ihren Kindern. Dafür sind sie auch bereit, einen finanziellen Beitrag zu leisten.
Für die Wissenschaftler ist es wichtig, raus aus dem Elfenbeinturm hinein in die breite Anwendung zu gehen. Mit dem Kongress haben sie einen Dialog angestoßen zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Psychologen, aber auch mit Politikern und Entscheidungsträgern von Präventionsmaßnahmen. Ihr Ziel ist es, die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen für evidenzbasierte Prävention zu verbessern, mehr Transparenz zu schaffen und ein Engagement der gesundheitspolitisch Verantwortlichen zu verstärken, "weil wir nur so weite Teile der Eltern, insbesondere Eltern aus sogenannten "bildungsfernen" Gruppen mit qualifizierter Hilfe erreichen", resümierte Prof. Hahlweg.
Die Forderungen der Wissenschaftler:
1. Qualitätssicherung bei Präventionsprogrammen
2. Transparente Darstellung und Bewertung solcher Programme im Internet
3. Ausbildung von 10.000 Trainern
4. Investitionen in Prävention und mehr Kinder- und Jugendtherapeuten
Kontakt:
TU Braunschweig
Prof. Dr. Kurt Hahlweg
T. 0531-391-3623
k.hahlweg@tu-braunschweig.de
Pressekontakt:
Kongress-Presseteam
Sieglinde Schneider
T. 0611/ 40 80 610
sieglinde.schneider@accente.de
Weitere Informationen:
http://www.praeventionskongress-bs.de
http://www.klaus-grawe-stiftung.ch
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29.09.2009
Erstmals Gen für Sprachverarbeitung bei der Legasthenie gefunden
Philipp Kressirer, Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München
Fehlerhafte Steuerung des Glukosetransporters im Gehirn beeinträchtigt die Sprachverarbeitung bei Kindern
An Legasthenie leiden in Europa ca. 22 Millionen Menschen. Nicht lesen und schreiben zu können, trotz Schulbesuch und viel Unterstützung durch die Eltern, belastet viele Kinder in ihrer Entwicklung und führt nicht selten zu Schulabbruch und psychischen Problemen.
"Dies ist ein Durchbruch in der Legasthenieforschung" sagt Prof. Gerd Schulte-Körne, "da wir hiermit erstmals eine mögliche Ursache der Legasthenie entdeckt haben. Bereits bei Babies, die ein erhöhtes Risiko für Legasthenie haben, finden sich Veränderungen bei der Sprachwahrnehmung. Nun können wir zeigen, dass die Regulation des Gens SLC2A3 eine zentrale Rolle für die Gehirnfunktionen bei der Legasthenie spielt. Wenn die Funktion dieses Gens beeinträchtigt ist, so finden wir auch im Gehirn eine schwächere Reaktion der Nervenzellen bei der Sprachverarbeitung." Diese Studie zeigt, dass ein direkter funktionaler Zusammenhang zwischen Genexpression und beeinträchtigten Hirnfunktionen bei der Legasthenie besteht.
Die Forschungsgruppe wird nun in weiteren Studien untersuchen, ob anhand biologischer Marker Kinder mit einer Legasthenie bereits früher erkannt werden können, bevor die leidvolle Entwicklung vieler Kinder mit einer Legasthenie stattgefunden hat. "Vor allem die Möglichkeit der Prävention und der frühen Intervention sind für uns von zentraler Bedeutung für zukünftige Forschungsvorhaben", sagt Prof. Gerd Schulte-Körne.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Pettenkoferstr. 8a, 80336 München
Tel. 089/5160-5901, Fax: 089/5160-5902
Email Gerd.Schulte-Koerne@med.uni-muenchen.de